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Armenien: Regierung will Kirche besteuern

08. Oktober 2026

Die armenische Regierung erwägt, Steuern von der Armenischen Apostolischen Kirche zu erheben.

Finanzminister Vahe Hovhannisjan sagte in einem Interview, dass die „Kirche Steuern zahlen sollte, wie alle anderen auch“. Die Steuern sollen jedoch nicht die staatlichen Einkünfte erhöhen, sondern in Programme und Aktivitäten der Kirche zurückfließen. Er schloss nicht aus, dass die Kirche mehr Förderung erhalten könnte, als sie Steuern zahlen würde, sollten ihre Programme für den Staat und die Gesellschaft strategisch wichtig sein.

Steuern könnten laut dem Finanzminister auf religiöse Gegenstände und andere Geschäftsaktivitäten der Kirche erhoben werden. Die Details seien aber noch in Entwicklung. Auch ein mögliches Datum für die Einführung von Änderungen gab der Minister nicht an, weil eine öffentliche Diskussion des Themas nötig sei. Aktuell ist die Kirche in Armenien weitgehend von Steuern befreit. So sind Spenden und Opfergaben sowie die Produktion und der Verkauf von Gegenständen, die für religiöse Rituale benötigt werden, steuerfrei. Auch Gottesdienste und bestimmte Verkäufe von religiösen Objekten sind von der Mehrwertsteuer befreit.

Die Debatte um die Besteuerung findet vor dem Hintergrund eines langanhaltenden Konflikts zwischen der Regierung, insbesondere Ministerpräsident Nikol Paschinjan, und der Armenischen Apostolischen Kirche unter ihrem Oberhaupt, Katholikos Karekin II. statt. Karekin macht Paschinjan und seine Regierung unter anderem für den Verlust von Berg-Karabach verantwortlich und fordert den Rücktritt des Ministerpräsidenten. Paschinjan wirft der Kirche Intransparenz und Korruption vor und fordert seinerseits die Absetzung des Katholikos.

Am 3. Oktober fand in Jerewan zum zweiten Mal ein Gebetsfrühstück statt, an dem Beamte, Diplomaten, Geschäftsleute und Geistliche teilnahmen. Erzbischof Kevork Noradounguian war der höchstrangige Vertreter der Armenischen Apostolischen Kirche an der Veranstaltung. In seiner Rede präsentierte Paschinjan sein Konzept des „Realen Armenien“ als politische und spirituelle Idee. Die Republik Armenien innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen beschrieb er als „gelobtes Land“. Die wichtigsten heiligen Stätten Armeniens liegen laut Paschinjan in der Republik, der Staat sei ein Ausdruck von Armeniens christlicher Identität.

Neben Paschinjan trat Paula White-Cain, Leiterin des Büros für Glaubensfragen des Weißen Hauses, als Hauptrednerin auf. Am nächsten Tag besuchte sie am Hauptsitz der Kirche in Etschmiadzin die Liturgie und wurde von Karekin empfangen. Der Katholikos begrüßte ihren Besuch in Etschmiadzin und Armenien und würdigte ihre Bemühungen, ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und armenischen geistlichen Führern in den USA zu organisieren. Im Gespräch betonten beide die Rolle von Religion und spirituellen Werten für ein sicheres und blühendes Leben der Völker. Der Glaube an Gott sollte die menschliche Solidarität und das friedliche Zusammenleben stärken. White-Cain dankte für den warmen Empfang und würdigte Armeniens reiches christliches Erbe. (NZ)

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