Zum Hauptinhalt springen

Russland: Vatikangesandter Zuppi besucht erneut Moskau

08. Oktober 2026

Kardinal Matteo Zuppi, der Sondergesandte des Papstes für den russisch-ukrainischen Krieg, hat bei seinem Besuch in Moskau Gespräche mit hochrangigen Regierungsvertretern geführt.

Während seines Aufenthalts vom 28. bis 30. September traf er Jurij Uschakov, den außenpolitischen Berater des russischen Präsidenten, Jana Lantratova, die russische Menschenrechtsbevollmächtigte, sowie Marija Lvova-Belova, die Bevollmächtigte des russischen Präsidenten für Kinderrechte. Bei den Gesprächen ging es laut einer Mitteilung des russischen Außenministeriums um die Zusammenarbeit Russlands und des Vatikans in humanitären Fragen, darunter die Suche nach Vermissten, Gefangenenaustausche, die Zusammenführung von Familien und das „Kinder-Dossier“.

Ein gewichtiges Thema sei auch die humanitäre Krise in der Stadt Oleschky in der Region Cherson gewesen. Die Stadt befindet sich im von Russland besetzten Gebiet und ist aufgrund einer russischen Blockade von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten. Der Ukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen warnte am 19. September in einem Statement vor einer humanitären Katastrophe, da die verbliebenen Einwohner die Stadt nicht verlassen könnten und die Lebensmittel knapp seien. Ukrainische Behörden gaben an, das ukrainische Militär habe mithilfe von Drohnen Lebensmittel und Medikamente gebracht. Auf Bitten des Vatikans konnte Zuppi laut der russischen Mitteilung zudem ein Lager für ukrainische Kriegsgefangene besuchen. Dabei durfte er persönlich mit Gefangenen sprechen und „sich überzeugen, dass Russland alle entsprechenden Normen streng befolgt“.

Kardinal Zuppi, der auch Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz ist, besuchte Russland zum dritten Mal, nachdem er im Juni 2023 und im Oktober 2024 bereits nach Moskau gereist war. Im Juli 2026 war der Kardinal zuletzt in die Ukraine gereist, wobei er auch ein Lager für russische Kriegsgefangene in der Region Lviv besucht hatte. In Zentrum seiner humanitären Mission steht die Situation ukrainischer und russischer Kriegsgefangener sowie die Frage der nach Russland verschleppten ukrainischen Kinder. Gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS sagte Zuppi, seine Aufgabe bestehe darin, die Bemühungen der Kriegsparteien bei Angelegenheiten betreffend Kinder, Gefangenenaustausche und Probleme der Zivilbevölkerung zu unterstützen. Alle Anfragen beider Seiten würden im Rahmen des bestehenden Dialogs aufgegriffen, und der Dialog solle weiter ausgebaut werden.

Ende August war Erzbischof Paul Richard Gallagher, der „vatikanische Außenminister“ nach Russland gereist. Auch er traf sich mit mehreren staatlichen Vertretern und mit Metropolit Antonij (Sevrjuk), dem Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, und drängte auf ein Ende des Kriegs gegen die Ukraine. Am 26. September trat der vatikanische Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin vor der Generalversammlung der UNO in New York auf. In seiner Rede betonte er, dass „Frieden nicht aufgeschoben werden darf“, die Waffen „schweigen müssen“ und die „Bombardierungen aufhören müssen“. Er rief zur Unterstützung eines „sofortigen, vollständigen und effektiven Waffenstillstands“ auf. Weiter rief Parolin die internationale Gemeinschaft auf, von einer „Kultur der Macht“ zu einer „Kultur der Verhandlungen“ überzugehen. Die legitimen Interessen bei der Landesverteidigung dürften nicht zu einem großen Wettrüsten anwachsen, betonte er. (NZ)

Drucken