Ukraine: Erzbischof weist Darstellung des russischen Außenministeriums zurück
Erzbischof Silvestr, (Stojtschev), der Rektor der Kyjiwer Geistlichen Akademie der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), hat ein Dokument des russischen Außenministeriums „Über die illegalen Handlungen des Kyjiwer Regimes in Bezug auf die UOK, ihre Geistlichen und Gemeindemitglieder“ kritisiert.
Es handle sich um einen „offen propagandistischen Text“, der in erster Linie russische Bürger für den Kriegsdienst gegen die Ukraine motivieren und zudem das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft in die Ukraine untergraben solle.
In seiner Replik betonte Erzbischof Silvestr, dass die UOK nie um die Hilfe des russischen Außenministeriums oder anderer staatlicher Organe Russlands gebeten habe. Wenn also russische Staatsbeamte behaupteten, die „kanonische Orthodoxie in der Ukraine“ zu schützen, müsse man sich bewusst sein, dass niemand sie darum gebeten habe. Die Beziehungen der UOK zu den staatlichen Behörden und Regierungsvertretern der Ukraine stellten ihre inneren Angelegenheiten dar, die die Kirche selbst löse. Silvestr räumte ein, dass es Probleme im Verhältnis der UOK zum Staat sowie konkrete Fälle gebe, in denen die Rechte ihrer Geistlichen oder Mitglieder verletzt würden. Aber zur Lösung benötige die UOK nicht die Hilfe eines Staats, der gegen die Ukraine Krieg führe. Vertreter des russischen Staats benutzten diese Probleme vielmehr für ihre eigenen politischen Ziele, als Mittel des politischen Kampfs und der Propaganda, wobei sie die Informationen zu manipulativen Zwecken bewusst. Der Erzbischof kritisierte weiter, dass in dem über 100-seitigen Dokument mit keinem Wort das Leiden, das die russische Armee der UOK gebracht habe, erwähnt werde.
Das Oberhaupt der UOK, Metropolit Onufrij (Berezovskij), verurteilte Russlands Krieg gegen die Ukraine ebenfalls erneut. Anlässlich des Tags der Vaterlandsverteidigerinnen und -verteidiger am 1. Oktober rühmte er die ukrainische Armee, die sich „Hass und Mord“ entgegenstelle, um das „schreckliche Blutvergießen, das die russische Armee auf das Gebiet unserer Heimat gebracht hat“, zu stoppen. In Russland hingegen sprach der „Missionar“ und Kriegsbefürworter Priester Pavel Ostrovskij davon, dass noch immer Russen außerhalb Russlands lebten. Es brauche eine „zumindest minimale“ Gerechtigkeit – die „Unterdrückung“ der in der Ukraine lebenden Russen müsse aufhören, ebenso die „Verfolgung“ der UOK, die „Teil der Russischen Orthodoxen Kirche ist“. Die UOK war Teil des Moskauer Patriarchats, erklärte sich aber angesichts von Russlands Angriffskrieg an ihrem Landeskonzil im Mai 2022 für unabhängig.
Neben dem Außenministerium sprach auch der russische Präsident Vladimir Putin davon, dass mit der orthodoxen Kirche in der Ukraine „schreckliche Sachen“ passierten. Geistliche würden getötet und Menschen aus den Kirchen geworfen, aber die internationale Gemeinschaft schweige. Das diene dem Ziel, Russland Territorien und Menschen endgültig zu entreißen, damit ein friedliches Zusammenleben in der Zukunft unmöglich werde. (NZ)