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Flüchtlingskinder pflanzen Bäume im Garten des „Hauses der Freunde“ in Chotjaniwka (Foto: Kinder der Hoffnung).

„Kinder der Hoffnung“: Stärke finden und Hoffnung pflanzen im Krieg

Regula Spalinger im Gespräch mit Igor Smazhennyj und Anna Matjuschkina

Im Dorf Chotjaniwka in der Nähe von Kyjiw wurde 2025 mit finanzieller Unterstützung von Forum RGOW das Begegnungszentrum „Haus der Freunde“ erbaut. Dort wird die ukrainische NGO „Kinder der Hoffnung“ in Zukunft psychologische Begleitung von Flüchtlingsfamilien anbieten und Freizeitanlässe für Kinder organisieren. Denn viele Kinder und Jugendliche leiden durch die ständigen russischen Luftangriffe auf Kyjiw unter kriegsbedingtem Stress und Traumata.

Welche Familien benötigen die Unterstützung Ihrer NGO derzeit am meisten?
Igor Smazhennyj
: Familien, die aufgrund des Kriegs von ihren ursprünglichen Wohnorten fliehen mussten, stellen die größte Gruppe unserer Begünstigten dar. Die Miet- und Lebensmittelkosten sind für viele bedürftige Familien eine enorme Herausforderung, solange die Eltern hier in Kyjiw noch keine neue Arbeitsstelle gefunden haben. Daher unterstützen wir diese Familien mit materieller Hilfe oder monatlichen Basisbeiträgen. Vielfach haben Kinder auch ihre Väter im Krieg verloren. So unterstützen wir eine Mutter dreier Kinder, deren Vater gefallen ist. Die Mutter war zuvor nie berufstätig, da sie die Kinder versorgte und ihr Ehemann als Militärangehöriger ein Einkommen hatte. Nun arbeitet sie als Lageristin in einem Supermarkt, doch der Lohn reicht zur Deckung der Alltagskosten nicht aus. Daher erhält sie von uns einen Beitrag für den Lebensunterhalt der Familie.

Außerdem bieten wir Familien in schwierigen Lebenssituationen Beratung durch eine erfahrene Psychologin an. Psychische Verletzungen und Traumata sind auf den ersten Blick weniger bemerkbar. Doch den Kindern wird im Krieg ihre Kindheit gestohlen: Angesichts der zahlreichen russischen Luftangriffe ist im Gebiet Kyjiw etwa die Hälfte der Schulen ganz oder mit rotierenden Gruppen zum Online-Unterricht übergegangen, da nicht für alle Klassen genügend Schutzräume zur Verfügung stehen. Aufgrund der staatlichen Sicherheitsvorschriften dürfen Kinder nicht allein, d. h. ohne Begleitung eines Erwachsenen, Freizeitaktivitäten unternehmen. Selbst so alltägliche Dinge wie Fahrten mit dem Fahrrad zum nahen Fluss oder See sind während des Kriegs nicht mehr möglich. Die Anlässe, die wir für die Kinder sonntags im sicheren Untergeschoss der St. Nikolaus-Kirche in Kyjiw organisieren, sind deshalb für die Kinder und ihre Eltern ein Anker der Stabilität. Hier können sich die Kinder entfalten und freudige Erlebnisse miteinander teilen.

Wie haben sich die Anlässe für die Kinder in den letzten Monaten entwickelt?
Anna Matjuschkina
: In den beiden Dörfern Chotjaniwka und Voropaiv führen wir zu kirchlichen Festen kreative Freizeitanlässe für die Kinder durch. Zu großen Festen kommen in Voropaiv über hundert Kinder mit ihren Eltern zusammen. Es besteht dort eine große Nachfrage, man könnte sagen „ein Hunger“ nach gemeinsamer Betätigung. In Kyjiw sind wir im letzten Herbst zu wöchentlichen Treffen übergegangen. Neben kunsttherapeutischen Workshops bieten wir vormittags kindgerechte Kurse in christlicher Ethik an. Parallel dazu findet eine Englischklasse mit den Älteren statt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen besuchen die Jüngeren ihre Englischstunde. Kinder und Eltern sind uns gleichermaßen dankbar, dass wir regelmäßig – jeweils sonntags von 10 bis 14 Uhr – unsere Anlässe durchführen. Allerdings nahmen ab Spätherbst die Luftangriffe sehr stark zu. Schließlich waren wir gezwungen, den Unterricht im Januar fast ganz einzustellen. Nachts herrschten Temperaturen von minus 20 Grad. Heizungen wie Strom funktionierten in den meisten Schulen ebenso wenig wie in einem Großteil der Wohnhäuser. Manche Familien mit Verwandten oder Bekannten in umliegenden Dörfern, wo oft noch mit Holz geheizt wird, evakuierten für mehrere Wochen ihre Kinder. Es ging damals für alle um das reine Überleben. Es war der schwierigste Winter seit Beginn des großangelegten Angriffskriegs, sowohl für die betreuten Familien als auch für die Mitarbeitenden unserer Stiftung. Ab Februar und den allmählich wärmeren Temperaturen im März konnten wir unsere regelmäßigen Anlässe wieder aufnehmen.

Wie sieht die psychologische Unterstützung aus?
Alle Kinder und Eltern wissen, dass sie sich an uns wenden können, falls sie kostenlose psychologische Unterstützung benötigen. Die Psychologin begleitet Kinder und Jugendliche teilweise durch wöchentliche Gespräche, in der Regel während eines halben Jahres. Auf diese Weise erhält gegenwärtig ein Jugendlicher Hilfe, der unter der Abwesenheit seines in der Armee dienenden Vaters stark leidet. Andererseits gibt es psychologische Unterstützung auf Anfrage. So hat sich beispielsweise vor wenigen Monaten eine Mutter an uns gewandt, deren siebenjähriger Junge die Bombardierung eines Hauses in unmittelbarer Nähe miterlebte und sich darauf weigerte zu schlafen. Er fühlte sich nach diesem Erlebnis verantwortlich, auf seine Mutter aufzupassen. Dank der Intervention der Psychologin konnte dem Jungen gezielt geholfen werden. In Fällen, die eine vertiefte medizinische Behandlung erfordern, empfiehlt sie einen spezialisierten Psychiater.

Im letzten Monat ist der Bau des Begegnungs- und Rehabilitationszentrums „Haus der Freunde“ in Chotjaniwka erfolgreich abgeschlossen worden. Wie werden Sie in Zukunft das Zentrum nutzen?
Igor Smazhennyj
: Vielen Besuchern fällt als erstes die friedliche Atmosphäre in Chotjaniwka auf – als würde man in eine andere Zeit wechseln. Das Dorf liegt nördlich von Kyjiw und ist umgeben von Auenwäldern und kleinen Seen. Insbesondere den Kindern wird es guttun, aus dem Kriegslärm der Stadt und ihrer Anspannung herauszukommen, um hier in der Natur gemeinsame Unternehmungen zu erleben und neue Freundschaften zu schließen. Für den Sommer planen wir ein 10- bis 12-tägiges Ferienlager in Chotjaniwka. Neben unseren Pädagoginnen und zusätzlichen Freiwilligen wird auch eine Psychologin vor Ort sein, so dass wir gezielt auf Kinder mit besonderen Bedürfnissen eingehen können. Unter dem Jahr werden wir an den Wochenenden regelmäßig Ausflüge mit Kindergruppen nach Chotjaniwka organisieren, teils mit ihren Eltern. Für Familien, die psychologische Unterstützung benötigen, bietet sich die Gelegenheit, diese in der ruhigen Umgebung unseres Rehabilitationszentrums zu erhalten.

Vor kurzem hat eine erste Kindergruppe das Zentrum besucht. Wie haben die Kinder reagiert?
Anna Matjuschkina
: Kein Foto kann das Gefühl wiedergeben, als das „Haus der Freunde“ erstmals von Kinderlachen erfüllt war – es war, als hätte der Ort plötzlich ein Herz bekommen. Als die Kinder aus dem Auto stiegen, waren sie zunächst von der Weite und Stille fast überwältigt, doch schon nach fünf Minuten waren sie nicht mehr zu bremsen. Sie rannten über das ganze Gelände, schauten in jeden Winkel des Hauses und atmeten diese unglaubliche Luft ein. Der lebendigste Moment war das Pflanzen von Bäumen im zukünftigen Garten des Begegnungszentrums: Die Kinder hielten die Setzlinge behutsam fest und stritten sich darum, wessen Baum am höchsten wachsen würde. Jetzt hat jedes von ihnen in Chotjaniwka seinen „eigenen“ Baum, um den sie sich kümmern wollen. Den Tag haben wir mit einem Picknick abgeschlossen. In solchen Momenten, als die Kinder mit roten Wangen und zufrieden ihr Essen im Freien verschlangen und eifrig ihre Eindrücke austauschten, wird erfahrbar – all das war nicht umsonst. Niemand wollte wegfahren, und das ist die unmittelbarste Antwort auf die Frage, ob es ihnen gefallen hat. Als ich sie so sah, zufrieden und auf angenehme Weise müde, wurde mir klar: Dieser Ort ist für sie bereits jetzt zu einem zweiten Zuhause geworden. Wir wollten ihnen eigentlich nur das Haus zeigen, doch haben wir zusammen mit den Bäumen in ihnen die Hoffnung gepflanzt, dass dieser Sommer etwas Besonderes wird.

Sie können die Arbeit von „Kinder der Hoffnung“ mit einer Spende auf das Konto des Forums RGOW (IBAN CH22 0900 0000 8001 51780) mit dem Vermerk „Kinder der Hoffnung“ unterstützen.