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Suche nach Opfern der Massaker der OUN-UPA von 1943. Exhumierungsarbeiten in Ostrówki im Juli 2014 (Glaube/Wikimedia Commons CC 4.0)

Neue Annäherung. Der polnisch-ukrainische Streit um das Wolhynien-Massaker

RGOW 1/2026
Georgiy Kasianov

Das Wolhynien-Massaker während des Zweiten Weltkriegs belastet bis heute die Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine. Das von ukrainischen Nationalisten verübte Massaker, dem polnische Racheakte an ukrainischen Zivilisten folgten, stellt seit Jahrzehnten ein umstrittenes Thema in der Geschichtspolitik Polens und der Ukraine dar. Der außenpolitische und militärische Schulterschluss gegen die russische Aggression führt nun zu einer neuen Annäherung in der historischen Streitfrage.

Das sog. Wolhynien-Massaker fand 1943 in der Region Wolhynien statt, die größtenteils im Nordwesten der heutigen Ukraine liegt und während des Zweiten Weltkriegs von Nazi-Deutschland besetzt war. Es war Teil eines ethno-politischen Konflikts zwischen Ukrainern und Polen, der sich unter den Bedingungen des Zweiten Weltkriegs, des Zusammenbruchs der Vorkriegsstrukturen und konkurrierender nationaler Projekte intensivierte. In der Zwischenkriegszeit waren West- und Zentralwolhynien Teil der Zweiten Polnischen Republik gewesen. Die Politik des polnischen Staates in der Region – Siedlungsprogramme, Einschränkungen der ukrainischen Selbstverwaltung sowie religiöse und kulturelle Spannungen – trugen zu den angespannten Beziehungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen bei und waren eine wichtige, wenn auch nicht ausschließliche Voraussetzung für die späteren Gewalttaten. Während des Krieges erlebte Wolhynien die sowjetische Annexion (1939–1941), die Besetzung durch Nazi-Deutschland (seit 1941) und einen Partisanenkrieg gegen die Besatzer und zwischen diversen Formationen im Untergrund: ukrainischen Nationalisten, polnischen und sowjetischen Partisanen. Die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung von 1941 bis 1942 veränderte die soziale Struktur der Region massiv und senkte die Hemmschwelle für Massengewalt, während die deutschen Besatzungsbehörden die lokalen Konflikte bewusst ausnutzten.

Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN-B) und die Ukrainische Aufständische Armee (UPA), die 1943 das Ziel verfolgten, ein ethnisch homogenes ukrainisches Territorium zu schaffen, spielten eine entscheidende Rolle bei der Eskalation der Gewalt. Im Frühling und Sommer 1943 initiierten sie koordinierte Angriffe auf polnische Dörfer, die ihren Höhepunkt im Juli erreichten, insbesondere am 11. Juli – in Polen als „Blutiger Sonntag“ erinnert. Die Gewalt war nicht ausschließlich einseitig: Polnische bewaffnete Verbände verübten Vergeltungsakte gegen ukrainische Zivilisten, doch die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass die antipolnische Kampagne der UPA systematischer und von größerem Ausmaß war. Die meisten gegenwärtigen Historiker gehen davon aus, dass zwischen 40 000 und 60 000 Polen in Wolhynien getötet wurden. Die Gewalt war oft extrem und betraf ganze ländliche Gemeinschaften einschließlich Frauen und Kinder.

Im öffentlichen Diskurs und in der Geschichtsschreibung Polens werden diese Ereignisse weitgehend als Völkermord bezeichnet, während viele ukrainische Wissenschaftler Begriffe wie Tragödie, Bürgerkrieg oder sogar „polnisch-ukrainischer Krieg“ verwenden. Klar ist, dass sich die Ereignisse in Wolhynien nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren lassen. Sie waren die Folge nationalistischer Ideologien, früherer Repressionen und einer Assimilationspolitik, eines Machtvakuums und der Dynamik eines totalen Krieges.

Erste Versöhnungsbemühungen
Im ersten Jahrzehnt nach der Unabhängigkeit der Ukraine blieb das Wolhynien-Thema vornehmlich auf akademische Kreise, NGOs und bilaterale Expertenforen beschränkt. Gemeinsame historische Initiativen, wie die polnisch-ukrainischen Historikertagungen über „heikle Fragen“ (es gab zehn Konferenzen zwischen 1990 und 2000) konzentrierten sich auf die Terminologie, Ursachen und Opfer-Vergleiche. Während es wenige faktische Uneinigkeiten gab, unterschieden sich die Interpretationsrahmen stark. Die polnischen Teilnehmenden verwendeten zunehmend Begriffe wie „ethnische Säuberung“ oder „Völkermord“, während die ukrainischen Historiker neutrale Formulierungen wie „Konflikt“ oder „Tragödie“ bevorzugten. 

Der Beginn der 2000er Jahre, insbesondere der 60. Jahrestag des Wolhynien-Massakers, markierte die erste größere Politisierung des Themas. Polnische Veteranen, rechtsgerichtete und nationalistische Organisationen forderten öffentlich die Anerkennung der Morde als Völkermord und eine offizielle Entschuldigung von der Ukraine. Als Reaktion darauf förderten die polnische liberale Bildungselite, die katholische Kirche und Präsident Aleksander Kwaśniewski einen Versöhnungsdialog, der das beidseitige Leiden und die gemeinsame Verantwortung betonte. In der Ukraine stellten sich liberale Intellektuelle zusammen mit der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche konsequent auf die Seite des Versöhnungslagers. Die Kirche setzte sich für Formulierungen ein, die an die bekannte Wendung „Wir vergeben und bitten um Vergebung“ anknüpften, die auf die polnisch-deutsche Versöhnung zurückgeht und sowohl von römisch-katholischen als auch griechisch-katholischen Hierarchen unterstützt wurde.[1]

In seiner zweiten Amtszeit (1999–2004) nahm auch der ukrainische Präsident Leonid Kutschma eine versöhnungsorientierte und pragmatische Haltung ein. Das hatte vor allem mit außenpolitischen Erwägungen zu tun: Polen war ein strategischer Schlüsselpartner und wichtiger Fürsprecher der Ukraine in Europa. Das Ergebnis war eine sorgfältig ausgewogene Erklärung der Präsidenten beider Länder im Juli 2003, in der die Verbrechen ohne Zuweisung einer Kollektivschuld verurteilt wurden, und Versöhnung als moralischer und nicht als juristischer Imperativ dargestellt wurde. Im ukrainischen Parlament gingen die Positionen jedoch stark auseinander. Die Mehrheit stellte sich hinter Kutschma, wobei eine Gruppe von 33 Abgeordneten öffentlich den Massenmord an polnischen Zivilisten in Wolhynien verurteilte und gleichzeitig die polnische Seite dazu aufforderte, die Gewalt gegen die ukrainische Zivilbevölkerung zu verurteilen. Die nationaldemokratischen und nationalistischen Fraktionen hingegen lehnten diesen Ansatz als moralisch asymmetrisch ab, da das polnische Narrativ die Polen ausschließlich als Opfer und die Ukrainer als Täter darstelle. Oft stellten sie die Rhetorik rechtsgerichteter Akteure in Polen als diejenige des ganzen Landes dar. Auch die Kommunistische Partei lehnte den Kompromiss ab: sie verurteilte zwar die OUN und die UPA, lehnte jedoch eine kollektive nationale Verantwortung ab und schrieb den nationalistischen Eliten die Schuld zu. Diese Spaltungen hätten beinahe die gemeinsame Erklärung im Mai 2003 zum Scheitern gebracht. Letztendlich vermied der sorgfältig formulierte Kompromiss eine anklagende Terminologie, was eher eine Strategie des Konfliktmanagements als eine historische Lösung widerspiegelte, und ließ die zentralen Streitpunkte ungelöst.

In den nächsten zehn Jahren drehten sich die Debatten im Kreis und verschärften sich jeweils zu den Jahrestagen. Versuche polnischer rechtsgerichteter Politiker, parlamentarische Resolutionen zur Einordnung des Wolhynien-Massakers als Völkermord zu verabschieden, wurden von liberalen Kräften teilweise zurückgedrängt, was zu Kompromissformulierungen führte wie „ethnische Säuberung mit Anzeichen von Völkermord“.[2] In der Ukraine wurde das Thema zeitweise von den Kommunisten und der Partei der Regionen instrumentalisiert, um den ukrainischen Nationalismus und seine historischen Symbole zu delegitimieren. Gleichzeitig führten die Bemühungen Viktor Juschtschenkos, eine heroische Erzählung der OUN und der UPA auf nationaler Ebene zu etablieren, zu einem Einfrieren der Versöhnungsbemühungen. So nahm das gegenseitige Misstrauen zu, während sich bei den dialogorientierten Eliten eine Versöhnungsmüdigkeit breit machte.

Eskalierender Erinnerungskrieg
Nach 2014 tauchte die Wolhynische Tragödie („Wolhynien-43“) erneut als zentrales und hochgradig umstrittenes Element in den ukrainisch-polnischen Beziehungen auf. Innenpolitische Veränderungen in beiden Ländern und die sich rapide verschlechternde regionale Sicherheitslage durch Russlands Annexion der Krim und der von Russland unterstützte Krieg in der Ostukraine schufen günstige Bedingungen für eine Verschärfung einer affirmativen und konfrontativen Geschichtspolitik auf beiden Seiten.

In der Ukraine stärkten die Revolution der Würde und die anschließende militärische Konfrontation mit Russland die symbolischen und politischen Positionen nationalistischer und rechtsextremer Akteure. Obwohl diese Kräfte bei den Wahlen 2014 scheiterten, gewannen sie unverhältnismäßig viel Einfluss in der „Politik der Straße“ durch Teilnahme an freiwilligen Bataillonen, Mobilisierungskampagnen und symbolischen Aktionen wie dem Sturz von Lenindenkmälern. Die post-Majdan-Behörden betrieben eine aktive Geschichtspolitik, um die Gesellschaft unter Kriegsbedingungen zu konsolidieren und die Aufmerksamkeit von ökonomischen und sozialen Missständen abzulenken. Eine institutionelle Schlüsselrolle spielte das Ukrainische Institut für Nationale Erinnerung, das ab 2014 von Volodymyr Viatrovytsch geleitet wurde. Seine Interpretation der Ereignisse in Wolhynien als Teil eines umfassenderen polnisch-ukrainischen Kriegs relativierte die Verantwortung der OUN und der UPA für die Massenmorde an polnischen Zivilisten erheblich.

Diese Neuinterpretation war in ein staatlich gefördertes nationalistisches Erinnerungsnarrativ eingebettet. Die Verabschiedung der „Erinnerungsgesetzen“ im April 2015 am gleichen Tag, als der polnische Präsident Bronisław Komarowski eine Versöhnungsrede im ukrainischen Parlament hielt, markierte einen Wendepunkt. Diese Gesetze verankerten den Heldenstatus der OUN und der UPA gesetzlich und erklärten jede öffentliche „Respektlosigkeit“ ihnen gegenüber für gesetzeswidrig. Gleichzeitig wurde die Dekommunisierungspolitik von einer Ausweitung nationalistischer Symbolik begleitet.[3] Diese symbolischen Entscheidungen wurden in Polen als Provokation und als Beweis für die mangelnde Bereitschaft der Ukraine wahrgenommen, sich mit den problematischen Aspekten ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. 

Parallel dazu erlebte Polen einen eigenen Rechtsrutsch. Der Wahlsieg der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) 2015 ging mit einer affirmativen Geschichtspolitik einher, die auf eine Stärkung der nationalen Identität durch ethnozentrische und opferzentrierte Narrative zielte. Im Juli 2016 verabschiedeten der polnische Sejm und der Senat Resolutionen, die den 11. Juli zum „Gedenktag an die Opfer des von ukrainischen Nationalisten verübten Völkermords“ erklärten, wobei die OUN, die UPA und mit ihnen verbundene Formationen als verantwortlich für die Ermordung von etwa 100 000 Polen bezeichnet wurden.[4]

Die ukrainische Reaktion fiel scharf und vorhersehbar aus. Politiker und Institutionen verurteilten die polnischen Resolutionen als einseitig und antiukrainisch, während nationalistische Akteure symmetrische Gegenmaßnahmen forderten. Resolutionsentwürfe in der Verchovna Rada schlugen ukrainische Gedenktage für angebliche genozidale Aktionen durch den polnischen Staat und Untergrundverbände vor.[5] Die öffentlichen Debatten eskalierten, während liberale Stimmen, die vor einer gegenseitigen Eskalation warnten, marginal blieben. Beide Gesellschaften merkten durchaus, dass der Konflikt zumindest rhetorisch für Russland vorteilhaft war, doch dieses Bewusstsein konnte die Eskalation nicht sofort stoppen.

Zwischen 2017 und 2018 weitete sich der Erinnerungskonflikt zu einem sog. „Gräberkrieg“ aus. Polnische Behörden demontierten unautorisierte UPA-Denkmäler, woraufhin die Ukraine die Genehmigungen für polnische Exhumierungsarbeiten aussetzte und bestehende Dialogmechanismen auf Eis legte. Die legislative Eskalation ging weiter mit dem Versuch, in der polnischen Gesetzgebung die Leugnung von Verbrechen, die von ukrainischen Nationalisten begangen worden waren, unter Strafe zu stellen. Das hätte eine verblüffende Asymmetrie geschaffen: In Polen wäre die öffentliche Verteidigung der OUN und der UPA strafbar geworden, während Kritik an diesen Organisationen in der Ukraine gesetzlich eingeschränkt wurde. Doch das polnische Verfassungsgericht legte gegen das Gesetz sein Veto ein.

Trotz dieser Konfrontationen versuchten beide Seiten regelmäßig, die Kontrolle über den eskalierenden Konflikt zurückzugewinnen. Eine gemeinsame Erklärung zu Erinnerung und Solidarität, die im Oktober 2016 von den ukrainischen, polnischen und litauischen Parlamenten angenommen wurde, betonte die Bedeutung unparteiischer Forschung und identifizierte ausdrücklich Russland als den gemeinsamen Feind. Statements wie dasjenige des PiS-Parteivorsitzenden Jarosław Kaczyński, dass „es kein Europa mit Bandera gibt“[6], zeigten jedoch die Fragilität solcher Initiativen.

Von der Konfrontation zum moderierten Dissens
Eine schrittweise Normalisierung zeichnete sich seit 2019 ab. Der neue ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskij signalisierte einen pragmatischeren Ansatz in historischen Fragen. Er bekundete öffentlich die Bereitschaft, das Verbot polnischer Exhumierungsarbeiten aufzuheben und die bilateralen Dialogmechanismen über die schwierige Vergangenheit wiederzubeleben. Die Berufung von Anton Drobovytsch zum neuen Leiter des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung deutete ebenfalls auf die Absicht hin, den konfrontativen Ton der staatlichen Erinnerungspolitik abzuschwächen.

Dennoch blieb die praktische Umsetzung der Exhumierungsarbeiten für weitere Jahre unterbrochen. Das Moratorium wurde zwar formell aufgehoben, doch die Sache zog sich aufgrund bürokratischer Untätigkeit, rechtlicher Unklarheiten und politischer Sensibilitäten in die Länge. Die ukrainischen Behörden zögerten, Exhumierungen zu genehmigen, solange Polen keine entsprechenden Schritte zur Wiederherstellung der zerstörten ukrainischen Gedenkstätten unternahm, während polnische Akteure Exhumierungen weiterhin als Vorbedingung und nicht als Teil eines synchronen Prozesses betrachteten.

Bis 2025 entwickelten sich die polnisch-ukrainischen Beziehungen im Bereich der historischen Erinnerung in eine vorsichtig pragmatische Richtung. Diese Veränderung bedeutet jedoch noch keine Lösung für interpretative Meinungsverschiedenheiten um Wolhynien-43. Im Juni 2025 präzisierte der polnische Sejm den Titel des Gedenktags vom 11. Juli als „Tag der Erinnerung an polnische Opfer des von der OUN und der UPA verübten Völkermords“. Das ukrainische Außenministerium befand, dies widerspreche dem Geist der guten Nachbarschaftsbeziehung zwischen den beiden Ländern.[7]

Die folgenreichste Entwicklung war jedoch die Wiederaufnahme der polnischen Exhumierungsarbeiten auf ukrainischem Territorium. Nach fast achtjähriger Unterbrechung genehmigte die Ukraine die Wiederaufnahme der Suche und Exhumierung polnischer Opfer. Die erste offiziell genehmigte Exhumierung fand im Frühling 2025 in der Westukraine statt, gefolgt von weiteren Genehmigungen für archivarische, archäologische und forensische Arbeiten. Dieser Schritt entsprach einer der drängendsten Forderungen Warschaus und beseitigte ein großes symbolisches Hindernis, das den Dialog seit 2017 gelähmt hatte. Wichtig ist, dass die Entscheidung von ukrainischer Seite nicht als Bestätigung der polnischen Geschichtsinterpretation, sondern als humanitäre und moralische Verpflichtung gegenüber den Opfern und ihren Familien dargestellt wurde.

Ein zweiter wichtiger Moment war das Treffen von Präsident Zelenskij mit dem neuen polnischen Präsidenten Karol Nawrocki im Dezember 2025. Das war ihre erste offizielle bilaterale Begegnung seit Nawrockis Amtsantritt und daher von starker symbolischer Bedeutung. Während die Sicherheitszusammenarbeit und die Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland die Agenda dominierten, wurden auch historische Themen (die Nawrocki während seiner Wahlkampagne intensiv genutzt hatte), insbesondere Wolhynien und Exhumierungen explizit angesprochen. Beide Präsidenten betonten die Unzulässigkeit der Instrumentalisierung der Vergangenheit angesichts einer gemeinsamen existenziellen Bedrohung und stellten die Zusammenarbeit in Fragen der Erinnerung als Teil einer umfassenderen strategischen Partnerschaft dar. Das Treffen bestätigte ein seit 2019 erkennbares Muster: Die Geschichte durfte die hochrangigen politischen Beziehungen nicht mehr offen beeinträchtigen, auch wenn sie weiterhin ein sensibles Thema blieb. Institutionell wurden diese Schritte bekräftigt, indem Vertreter des Polnischen Instituts für Nationales Gedenken und des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung den strukturierten Dialog wieder aufnahmen. Die Wiedereinsetzung einer polnisch-ukrainischen Kommission für historische Fragen ist als ständiger Mechanismus für die Koordinierung von Exhumierungen, Archivzugang und Expertenkonsultationen vorgesehen. Im Gegensatz zu früheren Foren, die wiederholt durch politische Eskalationen blockiert wurden, ist das neue Format ausdrücklich darauf ausgelegt, die technische Zusammenarbeit von legislativen und symbolischen Streitigkeiten zu trennen.

Die Entwicklungen des Jahres 2025 markieren somit einen Übergang vom „Erinnerungskrieg“ zu einem Modell des moderierten Dissenses, in dem humanitäre Praktiken und institutioneller Dialog neben ungelösten historischen Streitfragen bestehen. Ob sich dieses Modell als nachhaltig erweisen wird, hängt von der Fähigkeit beider Staaten ab, historische Expertise von innenpolitischer Mobilisierung zu trennen – was nach wie vor eine große Herausforderung darstellt.

 Anmerkungen:
[1])    Vgl. Giemza, Grzegorz: Versöhnung in Europa – ein ökumenisches Projekt in Mittel- und Osteuropa. In: RGOW 53, 11 (2025), S. 27–28.

[2])    https://orka.sejm.gov.pl/proc6.nsf/uchwaly/2183_u.htm

[3])    Kasianov, Georgiy: Neuvermessung des öffentlichen Raums: Ukrainische Geschichtspolitik. In: RGOW 50, 7 (2022), S. 18–20; Portnov, Andrij: „Dekommunisierung“: Die neuen Geschichtsgesetze in der Ukraine. In: RGOW 43, 8 (2015), S. 17–19.

[4])    https://isap.sejm.gov.pl/isap.nsf/DocDetails.xsp?id=WMP20160000726

[5])    https://w1.c1.rada.gov.ua/pls/zweb2/webproc4_1?pf3511=59866

[6])     https://wiadomosci.gazeta.pl/wiadomosci/7,114871,21345537,kaczynski-do-ukraincow-z-bandera-do-europy-nie-wejdziecie.html 

[7])    https://www.pap.pl/ua/ukrainian/news/mzs-ukraini-vidreaguvalo-na-polskiy-zakon-pro-11-lipnya

Übersetzung aus dem Englischen: Regula M. Zwahlen.

Georgiy Kasianov, Prof., Leiter des Laboratoriums für Internationale Erinnerungsstudien, Maria Curie-Skłodowska University, Lublin.

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