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Faszination und Instrumentalisierung. Sport und seine gesellschaftlichen Dimensionen

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA gehört zu den größten Sportevents weltweit. Sport fasziniert, ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Alltagskultur und beeinflusst zahlreiche gesellschaftliche Bereiche. Daher ist es auch kaum verwunderlich, dass Sport von politischer Seite in Anspruch genommen wird. So spielt Kampfsport in Russland als Mittel der außenpolitischen Soft Power eine wichtige Rolle. Über Posten in zahlreichen internationalen Sportverbänden übt Russland aber weit darüber hinaus Einfluss in der Sportwelt aus. Für den abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán war Fußball ein wichtiges politisches Instrument. 

Fußball kann allerdings nicht nur den Mächtigen dienen: Zu Sowjetzeiten war Fußball in der Ukraine eine der wenigen Möglichkeiten, nationale Zugehörigkeit zu leben. Zugleich gibt es immer wieder gesellschaftliche Debatten um Migrationsgeschichten von Sportlern. Internationale Sport-Megaevents kommen wegen politischer Instrumentalisierung und überdimensionierter Bauprojekte zunehmend in Verruf, doch für Sarajevo bedeuteten die Olympischen Winterspiele von 1984 auch einen Modernisierungsschub.

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Lesen Sie in dieser Ausgabe:

Steilpass. Was der Fußball über die Ukraine verrät

Kateryna Chernii
Die Ukraine galt bereits zur Sowjetzeit als erfolgreichste „Fußballrepublik“. Das Stadion war einer der wenigen Orte, an denen eine nationale Zugehörigkeit ausgelebt werden konnte. Auch in der unabhängigen Ukraine spielte der Fußball eine große Roll…

Gewandeltes Image. Ukrainische Ultras im Krieg und in der Gesellschaft

Olga Ruzhelnyk
Extreme ukrainische Fußballfans wurden lange Zeit ausschließlich als Mitglieder einer gewalttätigen Subkultur betrachtet. Als sie auf dem Majdan Protestierende gegen von der Regierung angeheuerte Schlägergruppen verteidigten, begann sich ihr Image z…

Stadien und Zäune. Sport als nationale Symbolik in Orbáns Ungarn

Győző Molnár
Unter Ministerpräsident Viktor Orbán diente Sport in Ungarn als politisches Instrument, um die ungarische Diaspora an das Mutterland zu binden und um Gefolgsleuten staatliche Gelder in Form von Bauaufträgen zuzuschanzen. Wenn es um sportlichen Erfol…

Außenpolitisches Instrument. Sport in Putins Russland

Christian Koller
Putin und zahlreiche russische Oligarchen sind Sportfreunde in vielerlei Hinsicht. Große Sportevents sorgten seit den 2000er Jahren für globale Medienpräsenz und lukrative Bauprojekte. Wichtige Figuren der russischen Wirtschaftselite nahmen Spitzenp…

Bleibendes Vermächtnis. Sarajevo und die Olympischen Winterspiele 1984

Zlatko Jovanovic
Sarajevo erlebte im Zuge der Olympischen Winterspiele von 1984 einen bedeutenden wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung. Investitionen in die Infrastruktur, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Behebung von Umweltproblemen führten zu…

Wurzeln in der Slowakei – das israelische Selbstverteidigungssystem Krav Maga

Michal Vaněk
Das israelische Selbstverteidigungssystem Krav Maga wird weltweit im militärischen und zivilen Bereich gelehrt. Entwickelt wurde es von dem jüdischen Sportler Imrich Lichtenfeld, der in den 1930er Jahren in Bratislava an jüdischen Selbstverteidigung…

Von der Mission zur Migration: Sport und Religion im tschechischen Kontext

William Crossan
In Tschechien, einem der säkularsten Länder Europas, wird Sport häufig nicht mit Religion in Verbindung gebracht. Historisch spielten jedoch religiöse Turn- und Sportbewegungen, allen voran die YMCA, eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Sporta…

„Doppeladler“ und Tripel-Loyalitäten. Fußball und Kosovo-Albaner in der Schweiz

Fabian Brändle
In der Schweiz lebt eine der größten kosovo-albanischen Gemeinschaften außerhalb Kosovos. Den zahlreichen Migrantinnen und Migranten haftete zeitweise ein schlechtes Image an, was insbesondere von der politischen Rechten bewirtschaftet wurde. Doch v…