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RGOW 9/2025: Systemversagen. Politische Krisen und Proteste in Südosteuropa

Die rote Hand ist das zentrale Symbol der Proteste in Serbien – die größten in der serbischen Geschichte, gerichtet gegen Korruption, ausgehöhlte Institutionen, demokratische Defizite und institutionelle Verantwortungslosigkeit. Aber auch in anderen Ländern Südosteuropas kommt es immer wieder zu Protesten, denn auch dort wird systemisches Versagen wiederholt offensichtlich. So kamen in Nordmakedonien bei einem Brand in einem Nachtclub 63 junge Menschen um, und die montenegrinische Stadt Cetinje wurde gleich zwei Mal von einem Amoklauf erschüttert. 

Wiederkehrende Protestwellen richten sich auch in Bulgarien gegen Korruption, Klientelismus und einen gekaperten Staat. Dennoch sind einschneidende Reformen und ein tiefgreifender politischer Wandel ausgeblieben. So bleibt der Bevölkerung angesichts der politischen Instabilität lediglich Protest als Mittel zur demokratischen Mitbestimmung. Neben der politischen Lage werfen wir einen Blick auf die aktuelle Literaturlandschaft Bulgariens und die Geschichte der Bulgarischen Orthodoxen Kirche im 19. und 20. Jahrhundert. 

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

 

Lesen Sie in dieser Ausgabe:

Im Krisenmodus. Fragmentierte Parteienlandschaft in Bulgarien

Milen Lyubenov
Bulgarien befindet sich seit mehreren Jahren in einer politischen Dauerkrise, die sich in ständigen Neuwahlen und wechselnden, kurzlebigen Regierungskoalitionen widerspiegelt. Neue, aus Protesten entstandene Parteien konnten sich nicht dauerhaft dur…

Wiederkehrende Wellen. Proteste gegen den gekaperten Staat in Bulgarien

Ivaylo Dinev
Nach 1989 bildeten sich in Bulgarien oligarchische Netzwerke in Politik und Wirtschaft heraus, die den Staat als Selbstbedienungsladen betrachteten. 2013 und 2020 versuchte die Bevölkerung, das von korrupten Eliten vereinnahmte politische System mit…

Die Bulgarische Orthodoxe Kirche im turbulenten 20. Jahrhundert

Daniela Kalkandjieva
Nach ihrer Wiedererrichtung im 19. Jahrhundert belasteten die Bulgarische Orthodoxe Kirche Fragen ihrer territorialen Jurisdiktion und die unterschiedliche Behandlung durch staatliche Strukturen. Lange galt sie in der Orthodoxie zudem als schis…

Urbane Räume, Dystopien und Lyrik. Einblicke in Bulgariens Literatur

Noemi Stoichkova-Ivanova
Die bulgarische Literatur zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeichnet sich durch eine enorme Fülle und Vielfalt aus. Umso schwieriger gestaltet sich angesichts der minimalen zeitlichen Distanz eine literaturhistorische Einordnung. Die Literaturwiss…

Blutige Hände. Die visuelle Sprache der serbischen Proteste

Andrej Ševo
Die andauernden Studierenden- und Bürgerproteste in Serbien werden von einer eindrucksvollen und anschlussfähigen visuellen Sprache begleitet. Anfangs wurde die Symbolik der Proteste vor allem von Studierenden geprägt, doch sind mittlerweile untersc…

Keine isolierte Tragödie. Die Brandkatastrophe im nordmakedonischen Kočani

Sara Milenkovska
Der Brand im Nachtclub Pulse in der nordmakedonischen Stadt Kočani kostete 63 vor allem junge Menschen das Leben. Ursache der Brandkatastrophe war die organisierte Verantwortungslosigkeit der staatlichen Stellen. Proteste, die auf diese strukturelle…

Keine Verantwortungsübernahme: Montenegro nach den Massakern in Cetinje

Teodora Đurnić
2022 und 2025 erschütterten Massaker die alte montenegrinische Hauptstadt Cetinje. Es folgten Proteste, Forderungen nach schärferen Waffengesetzen und politischer Verantwortung. Außer einem Ausbau der psychologischen Unterstützungsangebote und zöger…

Buchbesprechungen

Stefan Kube, Regula M. Zwahlen, Natalija Zenger
Vier Buchbesprechungen zu: Claudiu Crăciun, Henry P. Rammelt (eds.): Power and Protest in Central and Eastern Europe Vladmir Kulić, Maroje Mrduljaš, Wolfang Thaler: Modernism In-Between Sebastian Rimestad, Emil Hilton Saggau (eds.): Fault Lines in…