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RGOW 9-10/2026: Richtungsentscheid. Ungarn und Armenien nach den Wahlen

Ungarn und Armenien haben richtungsentscheidende Wahlen hinter sich. Am 12. April feierten tausende Menschen ausgelassen auf den Straßen Budapests die Abwahl der illiberalen Demokratie von Viktor Orbán. Mit dem Regierungswechsel hoffen nun viele Menschen in Ungarn auf eine Neuausrichtung ihres Landes und in der unabhängigen Kulturszene herrscht große Freude. Ob die neue Regierungspartei Tisza das von Orbán errichtete politische System zu einer liberalen Demokratie umbaut, bleibt zu beobachten. Mit Blick auf das Verhältnis zwischen Kirchen und Staat ist eine Normalisierung zu erwarten.

In Armenien fanden am 7. Juni ebenfalls richtungsweisende Wahlen unter schwierigen außenpolitischen Bedingungen statt. Nach dem Friedensabkommen mit Aserbaidschan ging es auch um den Umgang mit der neuen geopolitischen und sicherheitspolitischen Lage. In den Beziehungen zu Russland, zur EU, Iran, den USA und zu Armeniens Nachbarländern zeichnet sich eine Gratwanderung ab.

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Lesen Sie in dieser Ausgabe:

Ungarn nach Orbán: Weg von der illiberalen Demokratie – aber wohin?

Péter Techet
Im April gelang der noch neuen Tisza-Partei von Péter Magyar eine Sensation, als sie die 16 Jahre dauernde Regierungszeit von Viktor Orbán beendete. Mithilfe ihrer Zweidrittelmehrheit setzte die neue Regierung sofort personelle Wechsel und inst…

Neue Lebensfreude. Aktuelle Bewegungen in der ungarischen Kultur

Wilhelm Droste
Neben der in Orbáns Regierungszeit verordneten „Kultur“ existierten widerständige Gegenwelten in den Bereichen Literatur, Film, Musik und Theater. Mit dem Wahlsieg der Tisza-Partei blühen diese nun auf und dürfen wieder auf staatliche Förderung hoff…

Ein Neustart? Kirche und Staat in Ungarn nach Orbán

Alexander Faludy
Die neue Tisza-Regierung in Ungarn hat angekündigt, das Kirche-Staat-Verhältnis auf eine neue rechtliche Grundlage zu stellen. Zur Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Orbáns Regierung hatte unter anderem der Begnadigungsskandal beigetragen, der das…

Im Fokus der Geschichtspolitik. Das Gedenken an die Revolution von 1956

Ferenc Laczó
Nach 1989 war das Gedenken an den Ungarischen Volksaufstand von 1956 identitätsstiftend, wobei verschiedene historische Interpretationen parallel existierten. Unter der illiberalen Regierung von Viktor Orbán wurde die Geschichtspolitik stark gesteue…

Polarisierung und Geopolitik. Die Parlamentswahlen in Armenien

Narek Sukiasyan
Die Parlamentswahlen in Armenien im Juni 2026 fanden vor dem Hintergrund einer zunehmenden innenpolitischen Polarisierung und verstärkten außenpolitischen Spannungen statt. Die Regierungspartei von Ministerpräsident Nikol Paschinjan blieb zwar die s…

Vom Instinkt zur Strategie: Armeniens Außenpolitik nach der Wahl

Anna Gevorgyan
Das neue außenpolitische Programm der bei den Parlamentswahlen bestätigten Regierungspartei setzt auf eine Strategie der Absicherung Armeniens gegenüber allen Nachbarstaaten und einer gleichzeitigen Kooperation mit den USA, der EU und Russland. Viel…

Konfliktreich. Kirche und Politik in Armenien

Harut Harutyunyan
In Armenien eskaliert der Konflikt zwischen der Regierung Paschinjan und der Leitung der Armenischen Apostolischen Kirche. Deren Oberhaupt ist vor einem staatlichen Gericht angeklagt. Während die Kirchenleitung der Regierung eine unzulässige Einmisc…

Buchbesprechungen

Regula M. Zwahlen, Stefan Kube, Natalija Zenger
Vier Buchbesprechungen zu:  Manfred Hutter (Hg.): Religionen im Kaukasus;  Sergei V. Chapnin: Religious Communities under Pressure; Pantelis Kalaitzidis: Orthodoxy and Modernity; Heta Hurskainen, Teuvo Laitila (eds.): Churches in Contact…