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RGOW 1/2026: Gewichtsverlagerung. Polen – Tschechien

Die jüngsten Wahlen in Polen und Tschechien haben zu Gewichtsverlagerungen in den politischen Landschaften beider Länder geführt. Der Ausgang beider Wahlen weckt Befürchtungen vor einer Blockade bzw. eines Umbaus des politischen Systems und einer außenpolitischen Neuorientierung beider Länder, insbesondere in Bezug auf die Ukraine. In welche Richtung sich die politischen Gewichte verlagern, ist jedoch keineswegs entschieden: Einerseits waren die Wahlkämpfe in beiden Ländern stark polarisiert, andererseits gingen sie mit rekordhohen Wahlbeteiligungen einher, was das bleibende Interesse der Bürgerinnen und Bürger an politischen Fragen widerspiegelt. 

In den religiösen Landschaften Polens und Tschechiens zeigt sich ein starker Vertrauensverlust gegenüber den traditionellen Kirchen auf unterschiedliche Weise. Die neue Medienstrategie der Polnischen Bischofskonferenz führt eher zu einer Schwächung bislang unabhängiger katholischer Medien – und damit auch des Vertrauens in die katholische Kirche. Tschechien hat sich demgegenüber als tolerantes „postsäkulares Laboratorium“ der Enttraditionalisierung von Religiosität entwickelt.

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

 

Lesen Sie in dieser Ausgabe:

Drohender Stillstand. Machtkampf zwischen Präsident und Regierung in Polen

Magdalena Solska
Die Gegnerschaft zwischen Polens neu gewähltem Präsidenten Karol Nawrocki und der Regierung unter Ministerpräsident Donald Tusk lähmt das politische System im Land. Nawrocki hat gegen mehrere Gesetzesvorhaben der Regierung sein Veto eingelegt und re…

Turbulente Zeiten. Polens Sicherheitspolitik vor großen Herausforderungen

Justyna Zając
Polen sieht sich zunehmend hybriden Angriffen seitens Russlands ausgesetzt. Angesichts dessen sind sich die wichtigsten politischen Akteure einig, die Verteidigung und Abschreckung Polens wie auch der gesamten NATO-Ostflanke zu stärken. Deutliche Un…

Gesichter der Radikalisierung in Polen. Einstellungen, Emotionen, Typen

Anna Buchner
Oftmals werden Radikalisierungsprozesse in der polnischen Gesellschaft mit der Existenz unterschiedlicher ideologischer Lager beschrieben. Aus soziologischer Perspektive ist ebenso interessant, wie die Bevölkerung zentrale Institutionen und die Rege…

Neue Annäherung. Der polnisch-ukrainische Streit um das Wolhynien-Massaker

Georgiy Kasianov
Das Wolhynien-Massaker während des Zweiten Weltkriegs belastet bis heute die Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine. Das von ukrainischen Nationalisten verübte Massaker, dem polnische Racheakte an ukrainischen Zivilisten folgten, stellt seit Jah…

Politisierung und zunehmende Kontrolle. Katholische Medien in Polen

Rafał Leśniczak
Obwohl sich die Polnische Bischofskonferenz offiziell von politischer Einflussnahme distanziert, zeigte die Berichterstattung katholischer Medien in Polen im vergangenen Jahrzehnt eine rechtskonservative Schlagseite. Politiker der vormaligen Regieru…

Marcin Świetlicki und die polnische Poesie der Transformationszeit

Christian Zehnder
Der Dichter und Performer Marcin Świetlicki gilt in Polen als Ikone der 1990er Jahre. Im deutschsprachigen Raum ist er aufgrund seiner schwer übersetzbaren rhythmisierten Sprache weitgehend unbekannt. Mit seiner rebellischen Abgrenzung von der vorma…

Machtwechsel in Tschechien. Illiberale Mehrheit in einem System mit vielen Vetospielern

Marek Pršín
Nach den Parlamentswahlen in Tschechien im Oktober 2025 ist Andrej Babiš als Ministerpräsident an die Macht zurückgekehrt, wobei seine Regierung von einer illiberalen Mehrheit im Parlament getragen wird. Der stark polarisierte Wahlkampf ging mit ein…

Postsäkulares Laboratorium. Tschechiens vielfältige religiöse Landschaft

Tomáš Bubík, David Václavík
Tschechien gilt als eines der säkularsten Länder Europas. Dies bedeutet jedoch keine völlige Abwesenheit von Glauben, verbreitet ist vielmehr eine individuelle Spiritualität, die sich aus einer Vielzahl religiöser Praktiken, philosophisher Ansätze u…

Zerbröckelnder Fels: Die Tschechoslowakische (Hussitische) Kirche

Zdeněk R. Nešpor
Die Tschechoslowakische Kirche entstand in der Zwischenkriegszeit auf Initiative liberaler und nationaler Geistlicher, nachdem deren Reformvorschläge seitens Roms zurückgewiesen worden waren. Sie stand in der Tradition der tschechischen Reformation…

Verschwörung gegen die Dummheit. Die tschechoslowakische Neue Welle

Jonathan Owen
Mit der Reformpolitik in den 1960er Jahren kam es in der damaligen Tschechoslowakei auch zu einem filmischen Aufbruch. Die Bewegung der „Neuen Welle“ schlug formal und inhaltlich neue Wege ein. Mit ihren Innovationen und Provokationen zogen die Film…