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Brückenfunktion. Zentralasien in einer polarisierten Welt

Der C5+1 Gipfel der fünf zentralasiatischen Staatschefs mit US-Präsident Donald Trump im November 2025 in Washington hat Zentralasien wieder ins internationale Rampenlicht gerückt. Der wirtschaftliche Hegemon in der Region ist jedoch China, für das Zentralasien das „Tor nach Europa“ darstellt. Aufgrund historisch enger Beziehungen sind die zentralasiatischen Länder für Russland zur Umgehung von westlichen Wirtschaftssanktionen attraktiv. Auch die EU versucht, die Region als strategischen Partner enger an sich zu binden.

Zentralasien nimmt so in mehrfacher Hinsicht eine Brückenfunktion in einer polarisierten Welt ein, wobei die Region keineswegs nur ein passiver Schauplatz für den Wettbewerb der Großmächte ist. Vielmehr loten die fünf zentralasiatischen Länder ihre internationalen Handlungsmöglichkeiten aus, wozu eine neue regionale Zusammenarbeit beiträgt, erleichtert durch die Angleichung der politischen Systeme: In allen Ländern haben sich personenbezogene autokratische Regime etabliert.

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Lesen Sie in dieser Ausgabe:

Konsolidierung und Kooperation.  Die neue Normalität in Zentralasien

Temur Umarov
In allen zentralasiatischen Staaten hat eine autokratische Konsolidierung stattgefunden, die die regionale Kooperation und die multivektoriale Außenpolitik stärkt. Letztere fokussiert auf Investitionen aus den USA und Westeuropa, die Übernahme von S…

Regionale Ordnung im Wandel? Zentralasien und Afghanistan seit 2021

Katja Mielke
Die zentralasiatischen Staaten erkennen das Islamische Emirat Afghanistan zwar nicht offiziell an, dennoch hat in den letzten Jahren eine diplomatische Annäherung stattgefunden. Dabei spielen vor allem Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen eine zen…

Symptom eines Systemwandels: Parlamentswahlen in Kirgistan

Mahabat Sadyrbek
Kirgistan galt im Vergleich zu seinen mehr oder weniger autoritären Nachbarn lange Zeit als „Insel der Demokratie“ in Zentralasien. Seit dem Machtwechsel 2020 hat sich jedoch die politische Entscheidungsmacht zur Exekutive verschoben. Finanzielle Re…

Stark verschlechtert. Menschenrechte in Zentralasien

Anja Mihr
Der seit 2022 stark zunehmende Einfluss Chinas auf die fünf zentralasiatischen Staaten wirkt sich dramatisch auf die dortige Menschenrechtslage aus. Die Übernahme chinesischer Antiterrorgesetze und Zensurpolitik verdrängt vor allem in Kirgistan und…

Von der Front ins Gefängnis: Zentralasiatische Soldaten in der russischen Armee

Kirill Buketov
Zentralasiatische Arbeitsmigranten in Russland und Bürger zentralasiatischer Staaten werden von der russischen Armee gezielt für den Einsatz im Krieg gegen die Ukraine angeworben. Dabei kommt manchmal Zwang zur Anwendung, häufig locken auch das Ange…

Sanktionsumgehung. Zentralasien als neuer Standort russischer Unternehmen

Nurul Rakhimbekov
Nach der Einführung von Wirtschaftssanktionen gegen Russland sind viele russische Unternehmen nach Zentralasien, insbesondere nach Kasachstan, ausgewichen. Viele Unternehmen verlegten ihren Geschäftssitz und veräußerten ihre Vermögenswerte in Russla…

Gegen die Macht: Protestkunst in Zentralasien

Diana T. Kudaibergenova
In Zentralasien stellen Kunstschaffende mit subversiven Performances die Macht der autoritären Regimes der Region infrage. Sogar in einem der diktatorischsten Systeme, Usbekistan unter dem verstorbenen Präsidenten Karimov, war die kritische Auseinan…

Tauschgeschäft. Politische Gefangene und belarusischer Kali-Export

Hanna Valynets, Tanya Hendzel
Auf die Freilassung von über hundert politischen Gefangenen in Belarus Ende Dezember folgte die Lockerung der US-Sanktionen gegen den belarusischen Kali-Export. Das weist Parallelen zur US-Militäraktion gegen Venezuela auf, auf die ebenfalls Freilas…